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Fokusthema: Inflation / Foto © AdobeStock/MichaelJBerlin

Fokusthema Inflation

Politik bremst stärkeren Rückgang der Inflation – Angebotspolitik zur Überwindung der Stagflation nötig

Inflationsrate sinkt im Januar – weiter politische Maßnahmen bremsen stärkeren Disinflationsprozess

Die Inflationsrate lag im Januar bei +2,9 Prozent (Dez.: +3,7 Prozent). Der Rückgang im Vergleich zum Vormonat war aufgrund von Basiseffekten absehbar. Der Disinflationsprozess bei den Verbraucherpreisen hatte sich in den vorangegangenen Monaten grundsätzlich verbreitert.

Ein stärkerer Rückgang wird durch politische Maßnahmen gebremst. Die Kerninflation war im Januar aber mit +3,4 Prozent (Dez.: +3,5 Prozent) weiter hoch und stieg saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat mit +0,4 Prozent spürbar an, was vor allem in steigenden Preisen für Dienstleistungen begründet war. Auch Energie verteuerte sich. Hier spiegeln sich Effekte aus der Erhöhung von Lkw Maut und CO2-Preis, steigende Netzentgelte, das Aus laufen der Preisbremsen sowie die Rückkehr zum regulären Umsatzsteuersatz bei Gas und Gastgewerbe wider. Die Maßnahmen ließen die Inflationserwartungen der Verbraucher zu Jahresanfang auch wieder spürbar steigen, was die Gefahr von Zweitrundeneffekten zusätzlich erhöht.

Inflationsdruck im Inland durch Zweitrundeneffekte, politische Maßnahmen und strukturelle Faktoren – Angebotspolitik nötig

Großhandels- und Produzentenpreise sind im Vorjahresvergleich anhaltend rückläufig. Insbesondere für Energie und energieintensive Vorleistungen wie bspw. Metalle liegen die Preise aber weiter deutlich über dem Vorkrisenniveau. Zudem halten politische Maßnahmen und gestiegene Löhne den Kostendruck hoch, was sich im Januar in einem leichten Wiederanstieg der Großhandelspreise im Vormonatsvergleich zeigte . Bei den Produzentenpreisen schwächte sich der Disinflationsprozess zuletzt ebenfalls ab . Die Preispläne der Unternehmen stiegen zum Teil wieder an.

Die Importpreisentwicklung ist dagegen gerade auch bei M+E Erzeugnissen deutlich günstiger, was den höheren Kostendruck im Inland widerspiegelt. Der europäischen Gaspreise gingen trotz der angekündigten Überprüfung zusätzlicher US LNG Exporte weiter zurück. Auch der sprunghafte Anstieg der Frachtraten für Container hat sich wieder abgeschwächt.

Die Bundesbank rechnet mit Inflationsraten leicht über dem 2 Prozent Ziel in den kommenden beiden Jahren. Strukturelle Faktoren durch Demografie, Dekarbonisierung und Decoupling bremsen auch mittel bis langfristig den Disinflationsprozess . Die Finanzmärkte gehen für dieses Jahr trotzdem von einer Zinswende infolge der schwächeren wirtschaftlichen Lage aus. Das geldpolitische Dilemma kann nur über strukturelle Reformen und angebotsorientierte Wachstumsimpulse gelöst werden.