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Fokusthema: Inflation / Foto © AdobeStock/MichaelJBerlin

Fokusthema Die Inflation und ihre Auswirkungen

Inflation sinkt wie erwartet im September

Indikatoren signalisieren weiteren Rückgang, der aufgrund des anhaltenden Kostendrucks aber nur temporär zu sein droht – Angebotspolitik zur Überwindung der Stagflation nötig

Die Inflation sank im September (+4,5 Prozent) auf den niedrigsten Wert seit Beginn des Ukrainekriegs. Der Rückgang war aufgrund auslaufender Basiseffekte durch das 2. Entlastungspaket im Vorjahr (9-Euro-Ticket und Tankrabatt von Juni-August 2022) erwartet worden.

Bis zum Jahreswechsel deutet sich ein weiterer Rückgang an: Die gesunkenen Großhandels- & Produzentenpreise sowie niedrigere Preispläne der Unternehmen signalisieren geringere Inflationsraten in den kommenden Monaten, insbesondere da die Energiepreise unter dem Vorjahr (aber weiter über Vorkrisenniveau) liegen.

Mittelfristig droht die Inflation aber über 2 Prozent zu liegen, auch da trotz staatlicher Maßnahmen weiterhin eine Lohn-Preis-Spirale droht. So konnten die staatlichen Maßnahmen die inflationsbedingten Mehrausgaben v. a. bei niedrigen & mittleren Einkommen sowie für Familien zwar überwiegend kompensieren, wobei sich ein großer Beitrag über die arbeitgeberfinanzierte Inflationsausgleichsprämie ergab. Trotzdem stiegen die Löhne im Q2-2023 mit 6,6 Prozent so stark wie noch nie seit Erhebung 2008.

Die Kerninflation war infolge dieser Zeitrundeneffekte im September mit 4,6 Prozent überdurchschnittlich. Zudem drohen durch den Wiederanstieg der Ölpreise die Energiepreise anhaltend hoch zu bleiben. Beides verfestigt die hohen Inflationserwartungen der Verbraucher, was wiederum die angelaufene Lohn-Preis-Spirale weiter anzutreiben droht.

Der mittelfristige Preisdruck ist daher anhaltend hoch, zumal bestehende Trends durch Demografie, Dekarbonisierung (Erhöhung CO2-Preis & Lkw-Maut) & Decouplingseffekte den Kostendruck hochhalten. Die Deutsche Bundesbank sieht die Inflation infolge „des robusten Lohnwachstums auch mittelfristig deutlich oberhalb von 2 Prozent“. Auch die Gemeinschaftsdiagnose geht davon aus, das 2-Prozent-Ziel im Jahresmittel erst 2025 wieder zu erreichen.

Die EZB ist zwar weiterhin gewillt, durch Zinserhöhungen dem entgegenzutreten, die Geldpolitik gerät durch die Rezession aber zunehmend in ein Dilemma. Deutschland und die EU benötigen daher in erster Linie angebotspolitische Impulse für ein nachhaltiges Ende der Stagflation.