Lars Kroemer
Abteilungsleiter Volkswirtschaft und Statistik
Telefon: 030-55150-210
E-Mail: kroemer@gesamtmetall.de
Die deutsche Wirtschaft kommt nicht aus der Krise. Auch für 2026 werden die Prognosen nach unten geschraubt. Erwartet wird nur noch ein Miniwachstum von 0,5 Prozent, von dem gut die Hälfte daraus resultiert, dass überdurchschnittlich viele Feiertage auf Wochenenden fallen. Damit setzt sich die längste Wirtschaftskrise in der Geschichte der Bundesrepublik fort. Der Wohlstand in Deutschland schrumpft: Die Wirtschaftsleistung je Einwohner lag 2025 unter dem Niveau der Jahre 2017 und 2018.
Ursache ist die fortschreitende Deindustrialisierung. Seit 2019 hat allein die Metall- und Elektro-Industrie (M+E) fast 300.000 Arbeitsplätze verloren. 2025 fiel der Beitrag des Verarbeitenden Gewerbes zur Wertschöpfung auf 19,4 Prozent – abgesehen von der Finanzkrise 2009 der niedrigste Wert seit Gründung der Bundesrepublik. Während die Staatsausgaben immer weiter expandieren, brachen die privaten Ausrüstungsinvestitionen Ende 2025 erneut ein. Erstmals trugen die Öffentlichen Dienstleistungen mit 20,5 Prozent mehr „zur Wertschöpfung“ als die Industrie bei.
Diese Trends hängen eng zusammen. Der immer größere Bürokratie- und Verwaltungsapparat erzwingt steigende Kosten und Abgaben und würgt gleichzeitig Unternehmertum, Investitionen und Innovationen ab. Bundeskanzler Friedrich Merz hat zurecht gefordert, dass sich die Schere aus Staatskonsum und privaten Investitionen dringend schließen muss. Das erfordert Mut zu Strukturreformen, welche die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes wiederherstellen und zu echten Einsparungen in den öffentlichen Haushalten und Sozialkassen führen. Alles, was nicht den Standort stärkt – beispielsweise durch eine bessere Infrastruktur – sowie die Verteidigungsbereitschaft wiederherstellt, muss dringend auf den Prüfstand.
Der M+E-Strukturbericht beleuchtet zum zwölften Mal die strukturellen Trends in der größten deutschen Industriebranche. Bereits 2015 warnte der Bericht, dass viele Konkurrenten bei den Themen Knowhow, Innovationen und Wissen aufholen, während sich gleichzeitig die Kostenposition der deutschen M+E-Industrie weiter verschlechtert. Auch der aktuelle Bericht zeigt einerseits deutlich die Herausforderungen und notwendigen Handlungsleitlinien auf. Andererseits ist das Potential weiterhin groß: Die deutsche M+E-Industrie ist forschungsintensiv, innovationsgetrieben und weit überdurchschnittlich produktiv. Weltweit expandieren die M+E-Märkte, der Bedarf an hochwertigen Investitionsgütern und Lösungen für die globalen Megatrends steigt weiter an. Damit Deutschland wieder stärker davon profitieren kann, braucht es bessere Rahmenbedingungen. Die Standortkrise lässt sich durch Angebotspolitik, verbunden mit einer Rückkehr zu den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft lösen. In diese Richtung muss die Bundesregierung jetzt alle Weichen stellen.