Wir haben und brauchen auch in Zukunft starke Stammbelegschaften. Die Firmen brauchen aber ein Mindestmaß an Flexibilität in der Personalplanung, um die zunehmenden Schwankungen der Märkte ausgleichen zu können. Dabei spielen befristete Beschäftigungsverhältnisse und Zeitarbeit eine wichtige Rolle – sie sind Flexibilitätspuffer für die Betriebe und zugleich Sprungbrett auf einen festen Arbeitsplatz.

In ganz Deutschland liegt der Anteil der Zeitarbeiter im Jahr 2025 nur noch bei 1,7 Prozent. Mehr als ein Viertel der Zeitarbeiter ist in M+E-Berufen tätig. Weiteres wichtiges Einsatzfeld ist die Logistik (34 Prozent). Dabei sind 93 Prozent der Zeitarbeiter in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen tätig. 82 Prozent davon arbeiten in Vollzeit.
Deshalb sollte Zeitarbeit nicht als „atypisch“ bezeichnet oder gar als „prekär“ diffamiert werden: Zeitarbeit ist eine sozialversicherungspflichtige Stammbeschäftigung mit vollem Kündigungsschutz, Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Sie wird fast ausschließlich nach DGB-Tarifverträgen bezahlt und ermöglicht vor allem Arbeitslosen und gering Qualifizierten den (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt. Zudem gibt es für den Einsatz in der Metall- und Elektro-Industrie zwischen Zeitarbeitgebern und Gewerkschaften vereinbarte Tarifverträge, die gestaffelte Zuschläge bereits nach der 6. Einsatzwoche vorsehen, dazu haben nach den Tarifverträgen der M+E-Industrie Zeitarbeitnehmer nach 24 Monaten Einsatzzeit das grundsätzliche Recht auf ein Übernahmeangebot.
In der M+E-Industrie waren im Jahresmittel 2017, in der Hochphase des Konjunkturbooms, rund 290.000 Zeitarbeitnehmer beschäftigt. Gemessen an den Beschäftigten entsprach das 6,9 Prozent. Überdurchschnittlich viele Zeitarbeiter wurden dabei in den Ferienmonaten Juni bis September eingesetzt. Aufgrund der verstetigten konjunkturellen Entwicklung konnten viele Zeitarbeitnehmer von ihrem Einsatzbetrieb übernommen werden, sodass die Quote 2018 auf 6,4 Prozent sank. Zeitarbeit erwies sich damit als wichtiges Rekrutierungsinstrument und führte zu keiner Verdrängung der Stammbelegschaft. So stieg die Anzahl der Stammbeschäftigten in der M+E-Industrie zwischen 2013 und 2018 um 370.000 auf über 4 Millionen Beschäftigte, während die Anzahl der M+E-Zeitarbeiter in beiden Jahren bei 270.000 lag.
Infolge der verschärften Regelungen sowie der Rezession 2019 und des Wirtschaftseinbruchs in der Corona-Krise sank die Anzahl der Zeitarbeiter in der M+E-Industrie bis 2020 auf nur noch 186.000, was einem Anteil von 4,5 Prozent aller Beschäftigten entsprach. Mit der Normalisierung der Produktion erholte sich die Zahl der Zeitarbeiter wieder schneller als die Stammbelegschaft. Im zweiten Halbjahr 2022 betrug die Anzahl der M+E-Zeitarbeiter wieder knapp 200.000, was einem Anteil von 5 Prozent aller Beschäftigten entspricht. Gerade in Zeiten großer konjunktureller Unsicherheiten ist für die Unternehmen dieses Flexibilisierungsinstrument also von zentraler Bedeutung.
Seit Mitte 2023 sinkt die Anzahl der M+E-Zeitarbeiter fast kontinuierlich. Ende 2025 waren nur noch weniger als 160 Tsd. Zeitarbeiter in der M+E-Industrie tätig, was den niedrigsten Stand seit Erfassung 2013 bedeutet. Im Vergleich zum Höchststand Mitte 2017 wurde fast die Hälfte der M+E-Zeitarbeiter abgebaut. Entsprechend sank die Quote an allen Beschäftigten mit 4% auf einen Tiefststand. Die Entwicklung liegt sogar noch unter dem schwachen Produktionstrend und verdeutlicht die besondere Anpassungsfunktion dieses Instruments.
Dies zeigt, dass die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes 2017 sowie weitere regulatorische Einschränkungen die Zeitarbeit als Flexibilisierungs- und Rekrutierungsinstrument erheblich geschwächt haben. Angesichts des Krisenmixes aus Strukturwandel, hoher Kostenbelastung und geopolitischer Unsicherheiten bleibt Zeitarbeit jedoch ein zentrales Instrument betrieblicher Anpassungsfähigkeit.
Mit Blick auf die jahrelange politische Auseinandersetzung um Zeitarbeit und Werkverträge erwarten die M+E-Arbeitgeber von den Gewerkschaften sowie der Politik, dass an den bewährten Flexibilisierungsinstrumenten nicht weiter gerüttelt wird. Zeitarbeit könnte zudem einen wichtigen Beitrag für eine effektive Arbeitsmigration bilden, wenn die Regelungen für den Einsatz ausländischer Beschäftigter in etablierten Zeitarbeitsfirmen gelockert werden würden.