Wer heute einen Arbeitsplatz sucht, hat eine so große Auswahl, wie es sie in dieser Form noch nie gab – auch in der M+E-Industrie. Die Kehrseite: Die Fachkräfte werden knapp. Aufgrund des Strukturwandels werden sie aber dringender gesucht denn je. Die M+E-Unternehmen engagieren sich daher stark in der Ausbildung – und mit gutem Grund: Engagement und Wissen der Mitarbeiter sind zwingende Voraussetzung dafür, erfolgreich zu sein. Wann immer es ihnen möglich ist, bilden Unternehmen deshalb aus. Die Zukunftsindustrie M+E bietet ein breites Spektrum an dualen Ausbildungsberufen mit den neuesten technischen Entwicklungen, vielfältigen Karrierechancen und überdurchschnittlichen Verdienstmöglichkeiten. Die Hälfte der 20 Fachkraftberufe mit den höchsten Bruttomediangehältern zählt zu den Metall- und Elektro-Berufen.

Ausbildungsmarkt 2025: Entwicklungen und Perspektiven
Der Ausbildungsmarkt in Deutschland steht weiterhin vor großen Herausforderungen. Während die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften hoch bleibt, zeigen die aktuellen Zahlen für 2025 deutliche Veränderungen in den industriellen Ausbildungsbereichen. Besonders im Segment Industrie und Handel ist ein spürbarer Rückgang bei den Neuabschlüssen zu verzeichnen. Gleichzeitig lohnt sich ein Blick zurück auf die Metall- und Elektro-Industrie (M+E), die 2024 trotz stabiler Kernbereiche erste Anzeichen struktureller Veränderungen zeigte.
Diese Entwicklungen verdeutlichen, wie wichtig es ist, die Trends im Ausbildungsmarkt genau zu beobachten, um die Fachkräftesicherung langfristig zu gewährleisten.
Aktuelle Lage 2025: Industrie und Handel
Im Jahr 2025 wurden 260.862 Ausbildungsverträge im Bereich Industrie und Handel abgeschlossen. Das sind 12.627 weniger als im Vorjahr 2024 – ein Rückgang von 4,6 Prozent. Damit setzt sich der Trend sinkender Vertragszahlen fort.
Trotz des Rückgangs bei Neuabschlüssen hat sich die Situation bei den unbesetzten Stellen leicht entspannt. Der Anteil unbesetzter Ausbildungsplätze im Bereich Industrie und Handel sank von 13,5 Prozent (2024) auf 11,0 Prozent (2025). Im Vergleich zu 2019 (9,2 Prozent) bleibt das Niveau jedoch weiterhin hoch.
Rückblick: Metall- und Elektro-Industrie 2024
Die Metall- und Elektro-Industrie (M+E) ist ein zentraler Teil des industriellen Ausbildungsmarktes. Die genauen Zahlen der DIHK für das Ausbildungsjahr 2025/2026 werden im ersten Quartal 2026 veröffentlicht. Dennoch lohnt sich ein Rückblick auf das Ausbildungsjahr 2024/2025.
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 74.715 neue Ausbildungsverträge in der M+E-Industrie abgeschlossen. Das bedeutet einen Rückgang von 2,5 Prozent gegenüber 2023.
Details nach Bereichen:
- Metalltechnik: 42.539 Verträge (−1,3 Prozent gegenüber Vorjahr)
- Elektrotechnik: 13.687 Verträge (+2,8 Prozent gegenüber Vorjahr)
- IT-Berufe: 18.489 Verträge (−9,3 Prozent gegenüber Vorjahr)
Auffällig ist der starke Rückgang bei den IT-Berufen, der unter anderem durch veränderte Anforderungen und den Einsatz von KI sowie die Verlagerung einfacher Programmieraufgaben ins Ausland erklärt werden kann.
Die demografische Entwicklung, die wirtschaftliche Lage sowie der zunehmende Wettbewerb um Nachwuchskräfte werden den Druck auf Unternehmen weiter erhöhen. Gleichzeitig wird die Digitalisierung und die damit einhergehende Transformation die Anforderungen an Ausbildungsberufe verändern – insbesondere in der Metall-, Elektro- und IT-Branche.
Wir sind daher auch als Metall- und Elektro-Industrie gefordert, unsere Ausbildungsberufe strukturell und inhaltlich anzupassen und attraktiv aufzustellen, um sowohl den Anforderungen der Wirtschaft zu entsprechen, als auch attraktiv für junge Menschen zu sein.
Die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie setzen sich seit Jahrzehnten aktiv für die Nachwuchssicherung und die Fachkräftesicherung der M+E-Unternehmen ein. Unter der Leitung von Gesamtmetall wurden spezielle Instrumente entwickelt oder gezielt gefördert. Alle diese Initiativen zielen darauf ab, Kinder und Jugendliche für eine berufliche Zukunft in der M+E-Industrie zu begeistern und sie entsprechend auszubilden. Das Portfolio umfasst alle Altersgruppen und Bildungswege, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Förderung von MINT-Bildung liegt.
Insgesamt bieten die M+E-Betriebe jährlich rund 200.000 jungen Menschen eine Zukunftsperspektive, wobei die Mehrheit von ihnen in einem der MINT-Berufe tätig ist. Dieses Engagement kostet die Unternehmen jährlich mehr als vier Milliarden Euro. Die M+E-Unternehmen investieren insgesamt neun Milliarden Euro in Aus- und Weiterbildung. Über 80 Prozent der M+E-Unternehmen, die Ausbildungsmöglichkeiten haben, bieten auch Ausbildungsplätze an. Die Übernahmequote nach der Ausbildung liegt bei den Mitgliedsunternehmen der M+E-Arbeitgeberverbände immer noch bei über 90 Prozent.
Ausbildungsschwache Jugendliche
Die Sozialpartner der Metall- und Elektro-Industrie haben das gemeinsame Ziel, dass möglichst viele qualifizierte Ausbildungsbewerber für die Betriebe zur Verfügung stehen. Jedoch entsprechen Teile der Schulabgänger nicht den heutigen Anforderungen der Berufsausbildung.
Um die Startchancen solcher schwächerer Bewerber zu verbessern und den M+E-Betrieben auch in demografisch schwierigeren Zeiten den nötigen Fachkräftenachwuchs zu sichern, sind regionalspezifische Fördermodelle entstanden. In diesen Programmen werden die Jugendlichen durch schulische und betriebliche Unterstützung fit für die Ausbildung gemacht, um ihnen so eine Ausbildungs- und Beschäftigungsperspektive in der M+E-Industrie zu bieten. Diese Programme können, je nach regionalen Voraussetzungen, auch Chancen für jugendliche Flüchtlinge bieten.
Die Modelle sind zum Teil in Tarifverträgen oder Sozialpartnervereinbarungen verankert oder setzen auf bereits bestehende Modelle auf und entwickeln diese weiter. Zu den regional unterschiedlichen Modellen sind Erläuterungen über die entsprechenden zuständigen Mitgliedsverbände von Gesamtmetall erhältlich.
Duale Ausbildung stärken
Weil sich immer weniger junge Menschen für eine betriebliche duale Ausbildung und gleichzeitig immer mehr für ein Studium entscheiden, muss die duale Ausbildung attraktiver werden. Im Bewusstsein der Gesellschaft und vor allem auch bei den Schulen muss diese Botschaft ankommen: Akademische und berufliche Bildung bieten gleichermaßen gute Karrierechancen. Die duale Ausbildung in den Betrieben braucht eine starke Rückendeckung. Für die Unternehmen heißt dies: alle Potenziale identifizieren und nutzen.