Die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung sehen eine „einmalige“ außerordentliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung von 69.750 auf 73.350 Euro vor. Bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 71.520 Euro trifft das die Beschäftigten der Metall- und Elektro-Industrie (M+E-Industrie) mit besonderer Wucht: Deutlich über eine Million der derzeit 3,77 Millionen wären allein in der M+E-Industrie betroffen. Zugleich stiegen die Arbeitskosten der Industrie entsprechend weiter. Insgesamt ist mit Mehrkosten von fast einer Milliarde Euro für die Branche zu rechnen, auf die damit ein Drittel der gesamten Mehrkosten abgewälzt würde.
„Die deutsche M+E-Industrie steht in einem harten globalen Wettbewerb und soll jetzt noch einen Großteil der Mehrkosten für die Kranken- und Pflegeversicherung tragen. Wir stecken bereits mitten in der ungebremsten Deindustrialisierung, weil die Kosten am Standort Deutschland nicht mehr erwirtschaftet werden können. Allein die M+E-Industrie droht in diesem Jahr bis zu 150.000 Arbeitsplätze zu verlieren und die Arbeitskosten sind mit Bürokratie, Steuern und Energiekosten ein wesentlicher Grund dafür“, erläutert Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander.
„Das Ziel der Beitragsstabilität beim Gesamtsozialversicherungsbeitrag ist richtig. Das wird aber durch eine außergewöhnliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze total konterkariert. Das ist schlechte Politik“, so Zander weiter. Zudem wies er darauf hin, dass die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze kein Vorschlag der Expertenkommission zur Reform der Krankversicherung gewesen sei, sondern direkt aus dem Bundesgesundheitsministerium stamme.
Außerdem habe Deutschland laut des jährlichen Berichts „Taxing Wages 2026“ der OECD heute schon die zweithöchste Belastung der Einkommen durch Steuern und Sozialabgaben. Zander abschließend: „Die Reformen, die das Land braucht, um wieder wettbewerbsfähig zu sein, werden ohne Frage schmerzhaft und werden nicht überall auf Zustimmung stoßen. Deshalb muss der Staat mit gutem Beispiel vorangehen und erst einmal sparen und effizienter werden – bei sich, beim eigenen Personal, in der Verwaltung – ehe man den Bürgern und Unternehmen noch tiefer in die Tasche greift.“
Alexander Dennebaum
Pressesprecher
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