Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kritisiert die Pläne der Bundesregierung zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung, soweit sie zu einer Beitragserhöhung für die Beschäftigten und Arbeitgeber in der M+E-Industrie führen, und fordert die Regierungsfraktionen auf, diese Nachteile im parlamentarischen Verfahren zu korrigieren.
Der Gesetzentwurf sieht zum 1. Januar 2027 eine außerordentliche Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung von 69.750 auf 73.350 Euro vor. Außerdem soll zukünftig unter bestimmten Voraussetzungen die beitragsfreie Mitversicherung von Ehegatten entfallen und stattdessen ein Beitragszuschlag von 2,5 Prozent des beitragspflichtigen Bruttoverdienstes für die Familienversicherung vom Beschäftigten gezahlt werden. Bei einem Beschäftigten in der M+E-Industrie mit einem durchschnittlichen Jahresverdienst würde dies zu einer jährlichen Mehrbelastung von bis zu 2.218 Euro führen. Dies entspricht einem Anstieg um 28,8 Prozent im Vergleich zum aktuellen Beitrag.
Gesamtmetall-Geschäftsführer Jens Dirk Wohlfeil: „Das Ziel der Reform, Beitragsstabilität in der gesetzlichen Krankenversicherung zu organisieren, wird durch die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze und den Wegfall der beitragsfreien Mitversicherung von Ehegatten ad absurdum geführt. Diese Beitragserhöhung erinnert mehr an einen Taschenspielertrick als an eine ernsthafte Reform und würde gerade die Beschäftigten in der M+E-Industrie besonders belasten.“
Außerdem führen die vorgesehenen Maßnahmen auch zu einer zusätzlichen Belastung der Unternehmen, da die Mehrkosten durch die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze zur Hälfte vom Arbeitgeber zu tragen sind. Die Arbeitskosten in der M+E-Industrie würden entsprechend weiter steigen und für Unternehmen und Beschäftigte zu Mehrkosten von fast einer Milliarde Euro führen.
„Steuern, Energie, Bürokratie und Arbeitskosten führen dazu, dass die Kosten am Wirtschaftsstandort Deutschland viel zu hoch sind. Gleichzeitig gehen Monat für Monat Arbeitsplätze in der M+E-Industrie verloren und die Deindustrialisierung schreitet weiter voran. In dieser Situation die Unternehmen und Beschäftigten von Deutschlands größter Industriebranche durch eine sogenannte „Reform“ der gesetzlichen Krankenversicherung noch weiter zu belasten, ist nicht nur unverständlich, sondern auch verantwortungslos. Gesamtmetall fordert die Regierungsfraktionen im Deutschen Bundestag daher auf, diese Belastungen im parlamentarischen Verfahren zu korrigieren. Wenn es die Bundesregierung mit dieser Reform ernst meint, darf sie nicht zusätzliches Geld durch Beitragserhöhungen in das System werfen, sondern muss zu wirklichen Sparmaßnahmen kommen. Oberstes Ziel muss die Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge sein“, so Wohlfeil weiter.
Alexander Dennebaum
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